Die ZSC-Träume nehmen langsam Form an

Ein Besuch der Baustelle der Swiss Life Arena lässt einen das Eisstadion schon erahnen.

Tages-Anzeiger, Simon Graf

Wenn Bruno Vollmer durch die Baustelle an der Vulkanstrasse in Altstetten führt, ist er in seinem Element. «Hier ist das Eisfeld», sagt er und streckt die Arme aus. «Hier kommen die Spielerbänke hin. Hier beginnt die erste Sitzreihe. Mit eineinhalb Metern Abstand zum Plexiglas, wegen der Auflagen der Feuerpolizei.»

Auf dem Feld, wo die Lions im September 2022 das erste Bully in ihrer neuen Heimat für 12'000 Besucher spielen werden, steht ein Bagger. Doch wenn man seine Vorstellungskraft bemüht, erscheint einem das Eisfeld vor dem geistigen Auge. Gespielt wird parallel zur Bahnlinie, die 3000 Quadratmeter grosse Terrasse liegt Richtung Uetliberg. 170 mal 110 Meter misst die Arena auf einem Baufeld von 28'000 Quadratmetern.

Vollmer spielte einst neun Saisons für den alten ZSC. Er war ein wilder Flügel, der keinem Zweikampf auswich und der seine letzten drei Jahre von 1994 bis 97 sogar Captain war. Nun schreitet er auf dem Baufeld voran, als operativer Leiter bei den ZSC Lions oder COO, wie es im Fachjargon heisst. Der 52-Jährige besuchte Weiterbildungen wie Gebäude-Management oder bau­beglei­tendes Facility-Management und betreut nun den Bau der Swiss Life Arena.

Fassade als Theatervorhang

«Jahrelang haben wir geplant und geträumt, jetzt wird in rasantem Tempo gebaut», sagt er mit leuchtenden Augen. Zweimal pro Woche besucht er die Baustelle, mit seinem Spezialhelm mit ZSC-Logo, und jedesmal gebe es etwas Neues zu bestaunen. Das bisherige Prunkstück ist die gewellte Betonfassade Richtung Autobahn, an der ein ZSC-Lions-Logo von fünfeinhalb Metern Durchmesser prangt.

Die Fassade aus Sichtbeton dürfte einem zuerst auffallen, wenn das Stadion fertiggestellt ist. «Das wird städtebaulich ein Markenzeichen am Westtor zu Zürich», sagt Vollmer. ­Gewellt ist die Fassade, weil sie einem Theatervorhang nachempfunden ist, gemäss dem Projektnamen «Theatre of Dreams» des Architektenteams von Caruso St. John.

Der flüssige Beton wird in eine Form gespritzt und härtet dann aus. Auf der Baustelle werden zwei Betonmischwerke betrieben, die in 45 Sekunden je zwei Kubik­meter produzieren.

40 Millionen Liter Beton

Insgesamt werden rund 4000 Kubikmeter Beton verbaut, umgerechnet 40 Millionen Liter. ­Stabilisiert mit 500 Tonnen Armierungseisen. Ende 2020 soll der Rohbau fertig sein. Dann ist noch der Betonkosmetiker gefragt, um die Fassade schön aussehen zu lassen.

«Hier kommt der Fanshop hin», unterbricht Vollmer seine Ausführungen. Er fährt fort: «Wir bauen ein Minergie-Stadion, nutzen die Abwärme von der Kläranlage Werdhölzli und haben Solarzellen auf dem Dach. Alles erneuerbare Energien.» Wir sind im Herzstück des Stadions angelangt, dem Reich der ZSC Lions. «Hier ist die Heim-Garderobe», sagt Vollmer. «Die Spieler sitzen in einem Oval, damit jeder mit jedem kommunizieren kann. Das haben wir in Vancouver gesehen.»

Das Captainteam der ZSC Lions wurde in die Ausgestaltung des Teambereichs einbezogen. «Es ist wie eine eigene Wohnung», schwärmt Vollmer. Und er zeigt, welchen Weg die Spieler nehmen: «Hier kommt man herein, vorbei am Trainerbüro rechts in die Ankleide mit den Garderobenkästen und von da in die Spielerkabine. Von der Kabine geht es dann via Schiebetür in den Gang, der aufs Eis führt.»

Die Sonne strahlt einem da entgegen und gemahnt ans Scheinwerferlicht, in das die Spieler hier dereinst eintauchen werden.

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